Sonntag, 17 Dezember, 2017

PDF  | Drucken |  E-Mail

Positionspapier der

Günzburger Wirtschaftsvereinigung

Bewertung der Parkflächenplanung im Rahmen der Entwicklung des Lutzareals

Die Bemühungen der Stadt Günzburg, das Lutz Areal nach Jahren des Verfalls wieder zu einem belebtem und schmuckem Quartier der Innenstadt zu wandeln, sind uneingeschränkt begrüßenswert.

Die vom möglichen Investor vorgelegten Pläne sind stadtplanerisch hervorragend und sind ein weiterer Baustein einer gelungenen Stadtentwicklung.

Ungleich schwieriger gestaltet sich die Bewertung der Parkierungssituation und deren Entwicklung.

1. Sachstand:

Momentan stehen auf dem Lutzareal ca. 150 Stellplätze zur Verfügung . Diese werden vergleichweise gut angenommen. Dies liegt an den relativ geringen Parkkosten sowie der Nähe zur Kernstadt.

Bei der geplanten Bebauung des Areals fallen diese größtenteils weg. Die verbleibenden Restflächen dienen nach Fertigstellung als Stellflächen für die geplanten Wohneinheiten etc.

Kurzzeitparkplätze verbleiben oberirdisch nicht. In relativer Nähe liegt das sogenannte Feustleareal unterhalb einer Linie zwischen Kuh - und Storchenturm. Dort befinden sich momentan ca. 35 Stellplätze. Dieses Areal ist seit Jahren vorgesehen um hier ca. 230 Stellplätze für Kurz - und Dauerparker zu realisieren. Die 2008 vorgestellte Planung einer Hanggarage wurde kurz vor dem Startschuß überraschend gekippt. Der aktuelle Planungsstand würde die Realisierung einer Parkgarage mit ebenfalls ca. 230 Stellplätzen vorsehen. Diese würde aus Kostengründen vor dem Hang errichtet. Hierzu fehlen der Stadt noch zwei Schlüsselgrundstücke deren Erwerb noch nicht gesichert ist.

2. Szenario 1:

Der Investor errichtet im Auftrag der Stadt GZ auf dem Lutzareal eine Tiefgarage mit zwei Abschnitten. Der erste Abschnitt würde ca. 80 Stellplätze, der zweite ca. 40 Stellplätze aufweisen. Hier ist zu bedenken daß die Realisierung des zweiten Abschnitts eher unwahrscheinlich ist.. Die Stadt erwartet zudem den Verkauf von ca. 30 Dauerparkplätzen an die Wirtschaft zum Zwecke der Finanzierung. Die Kosten pro Stellplatz belaufen sich auf ca. € 22.500.-.

Bewertung Szenario 1:

Die Nähe zur Kernstadt ist gegeben. Höhenunterschiede zum Ereichen des Marktplatzes würden größtenteils über einen Aufzug überwunden, der ca. 40m unterhalb des Stadttors errichtet würde. Da man sich hier noch im Bereich der Günzaue befindet ist der Baugrund schwierig. Die Tiefgarage muß von einer Wanne umschlossen werden. Die Herstellungs­kosten sind verhältnismäßig hoch. Die Wirschaftlichkeit muß sehr in Frage gestellt werden. Für Dauerparker ist diese Lösung aus Kostengründen kaum akzeptabel. Die Befahrung vom Stadtberg her ist nicht ideal und steht im Gegensatz zur gewünschten verkehrlichen Entkrampfung im Bereich

Stadtberg/Spitalkirche/Ichenhauserstraße. Man erinnere sich an die Ablehnung von Handelsansiedlung auf dem ehemaligen Radgelände aus diesen Gründen. Eine vernünftige Bewirtschaftung einer Tiefgarage dieser Größe ist nicht möglich, vor allem wenn es nur beim ersten Abschnitt mit ca. 80 Stellplätzen bleibt.

Positiv wäre die gesicherte,schnelle Umsetzung durch einen privaten Investor .

2. Szenario 2:

Errichtung einer mehrgeschossigen Parkgarage auf dem Feustleareal. Hier könnte es je nach Ausbau zwischen 250-300 Stellplätze geben. Die Kosten pro Stellplatz waren schon bei der Planung der Hanggarage deutlich günstiger. Mehrheitlich befinden sich die notwendigen Grundstücke im Eigentum der Stadt.

Bewertung Szenario 2:

Erschließungstechnisch deutlich vorteilhafter durch den direkten Anschluß an die B 10. Es ensteht die gewünschte Verkehrsentlastung südlich der Altstadt .Eine Überbrückung des Niveauunterschiedes zum Marktplatz ist unabdingbar. Hier müßte ebenfalls im Bereich des Kuhturm ein Aufzug errichtet werden.Die auf dem Lutzareal wegfallenden Stellplätze könnten im Gegensatz zur Lutzlösung wieder angeboten werden.Die Größe könnte die geplante zukünftige Stadtentwicklung im Bereich der Parkierung positiv abbilden. Wirtschaftlich sollte sich diese Lösung deutlich besser rechnen.

Fazit:

Die Stadt muß hier Ihre Hausaufgaben besonders exakt machen. Einzelhandelsentwicklungskonzept, Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit müssen die Grundlage der Entscheidung bilden. Die Stärkung der Innenstadt steht im Brennpunkt der Stadtpolitik. Wer sich heute darum bemüht wieder Freiberufler, Kanzleien sowie medizinische Nahversorgung in die Innenstadtimmobilien zu holen, muß morgen ausreichenden und naheliegenden Parkraum anbieten. Bedingt durch die Folgen der touristischen Entwicklung der letzten Jahre sind die Freischankflächen zu Lasten der Kernstadtparkflächen überproportional gewachsen. Die Stadt bekommt mit Verkauf von Flächen auf dem Lutzareal Finanzmittel zur Verfügung. Die Realisierung der Parkgarage auf dem Feustleareal ist dadurch noch einfacher.Bei der Verwendung von Finanzmitteln muß Wirtschaftlichkeit an oberster Stelle stehen.Die mehrfach vorgetragene Argumentation, das auch ohne Schaffung neuer Kurzeitparkplätze ausreichend Parkflächen vorhanden seien , darf nicht gefolgt werden. Hier muß Demographie, Topologie und Psychologie sowie die geplante Entwicklung der Inenstadt gegen reine Statistik gestellt werde. Seit Jahren haben wir durch unsere Brückenbauten viele Kunden vom Besuch der Stadt abgehalten. Aktuelle Bedarfserhebungen sind hier nur bedingt aussagefähig.Den berühmten Spatz in der Hand kann man in der Übertragung kaum bemühen, da in unserem Fall die Taube (Feustleareal) nicht mehr auf dem Dach gurrt, sondern bereits vor dem offenen Fenster sitzt. Die Wirtschaftsvereinigung fordert ernstes, ehrliches Bemühen zugunsten der besten Lösung. Poltisches Kalkül sollte und darf hier nicht Handlungsgrundlage sein.

Sollte es nach Abarbeitung der Rahmeneinflußgrößen zum Tiefgaragenbau auf dem Lutzareal kommen, muß das Feustleareal weiter im Fokus bleiben. Falls es hier dann zur unabsehbaren Verschiebung bei der Errichtung von Parkplätzen käme , weil alle Mittel für das Lutzareal verbraucht wurden, wäre der Verlierer dann genau der Innenstadthandel. Dessen Rettung haben wir uns gerade erst in Form eines Einzelhandelskonzeptes auf die Fahnen geschrieben.

Peter Schleifer

1. Vorsitzender